Die Qual der Stockfoto-Wahl

Content Notes: Erwähnung von Fetischkleidung, Bondage, Waffen, Uniformen.
Sollte ich Content Notes vergessen haben, die wichtig wären, bitte ich um einen Hinweis und editiere hier dann.

Ich will alles selber machen. Und ich kriege das eigentlich gar nicht so übel hin, wie ich finde. Das Problem ist vielmehr die Wahl des richtigen Ausgangsmaterials.

Eigentlich dachte ich, meine Ansprüche seien gar nicht so hoch und es müssten sich massenhaft Bilder finden. Gibt man bei Shutterstock nämlich die entsprechenden Keywords ein (beispielsweise Bondage, weil es Seile auch in Erytan gibt – im Gegensatz zu irgendwelchen Latexdingern), kommen mehr als genug Bilder. Damit könnte man theoretisch tausende Bücher gestalten.

Wenn ich nicht ein paar Kriterien hätte.

Nummer 1: Kein modernes Zeug

Man kann natürlich viel tricksen und es gibt in Erytan sehr viel. Aber es gibt einfach Dinge, die kann ich auch mit Magie nicht erklären, weil es die schlicht und ergreifend nicht gibt, sie nicht ins Weltbild passen oder zu sehr herausstechen.

  1. Latex

Für die meisten Dinge, für die man in unserer Welt Latex verwendet, gebrauchen die Leute aus Erytan sogenannte „Kristallmembranen“. Daraus stellen sie beispielsweise Lecktücher her. Oder Kondome. Und Handschuhe für medizinische und sexuelle Zwecke.

In einer sexpositiven Kultur, in der sich zumindest der Adel nur nach strengen Regeln fortpflanzt und ein Großteil der Liebesbeziehungen gleichgeschlechtlich ist, wäre alles andere unlogisch.

Was sie daraus aber nicht herstellen, ist Kleidung. Warum auch. Sie haben Seide, Leinen, Baumwolle … und BDSM ist so allgegenwärtig und typisch, dass der innerweltliche Name dafür „Erytanische Liebe“ oder „Erytanische Praktiken“ ist. Es ist quasi die Leitkultur. Jede Kleidung ist Fetischkleidung, sofern die Leute Lust haben, Kink auszuleben.

Und selbst wenn ich feststelle, dass sie ja DOCH Kleidung aus dem Zeug machen – das sieht trotzdem nicht so aus wie Latex, die Bilder kann ich also alle nicht als Coverfoto verwenden. Punkt.

  1. Popkulturelle Bezüge

Schön, dass es unzählige Bilder von wunderschönen Outfits gibt, die auf Micky Mouse, Catwoman, Harley Quinn und Co. basieren. (Auf Shutterstock gibt es z.B. das Bild „woman with a whip in the image of a girlfriend joker“ und wir wissen alle, was damit gemeint ist.

Kann ich aber auch nicht verwenden, egal wie cool das ist. Gibt es in Erytan alles in der Form nicht.

Im weitesten Sinne fallen hierunter auch Verkleidungen als „sexy Polizistin“ und „sexy Krankenschwester“ rein. Ebenso jede Form von Maid-Kostüm.

Und, weil es mir in der Seele wehtut, aber auch nicht passt: Pseudomittelalterkleider. Die auf den Stockfotos, die ich gesehen habe, sahen alle aus wie aus dem Karnevalsgeschäft.

  1. Make-Up

Dezentes Make-Up ist kein Problem, ich nehme an, so ziemlich alle Frauen auf allen von mir heruntergeladenen Bildern sind in irgendeiner Weise geschminkt. Aber aufgeklebte violette Puschelwimpern passen nicht in die Welt. Und manche Frauen auf den Bildern sind so stark überschminkt, dass sie nicht in das Bild passen, das ich von meinen Fantasyromanen vermitteln möchte. Es sieht wunderschön aus, aber es passt nicht zu meiner Aussage.

  1. Handschellen und andere Accessoires irdischer Berufe

Kennt man in Erytan nicht in der Form. Es gibt zu erotischen Zwecken Handfesseln und Manschetten verschiedenster Form. Und es gibt Ketten für Gefangene.

Aber moderne Handschellen? Nein. Passt nicht.

Und auch wenn sie nicht ganz zum Punkt passen, möchte ich an dieser Stelle auch Schusswaffen erwähnen. Ja, es gibt auf Shutterstock sehr viele Bilder mit einer Fetisch-Polizeiuniform und einer gezogenen Pistole.

Außerdem: Auch sonst alle fetischisierten Gegenstände, die zu Berufen gehören, die es in unserer Welt gibt, aber auf Arl Sere nun einmal nicht.

  1. Neonfarbene Dinge

Da habe ich alles Mögliche gesehen. Seile, die im Schwarzlicht leuchten, Bodypainting, Schminke …

Passt alles nicht in eine Welt, die zwar nicht gerade mittelalterlich ist, aber eben auch nicht modern im umgangssprachlichen Sinn.

Nummer 2: Füße, Hände, Hintern … und ein Motivationsproblem

Ich will keine Füße und auch keine Hintern auf meinem Cover haben. Auch keine Brüste. Ich will, dass man zumindest das halbe Gesicht der Person drauf hat, die für den jeweiligen Band „Covergirl“ ist. Egal wie hübsch und ansprechend hier einzelne Körperteile gefesselt sind. Vielleicht ist das mein persönliches Mimimi, aber ich mag auch keine halben Torsos und so. Das ist alles irgendwie … doof.

Aber das wäre zu verschmerzen, wenn nur die Fotos mit Gesicht dann auch alle geeignet wären.

Es gibt ungefähr zwei Varianten – entweder schaut das Modell drein, als hätte es Zahnschmerzen und hätte das Fotoshooting nur schnell vor dem nächsten Termin eingeschoben oder es schaut drein, als würde es innerlich den Terminkalender runternudeln. „Wann bin ich hier fertig? Ich muss noch zur Pediküre …“

Beides gibt keine guten Covermodels ab. Ich will auf meinen Büchern Frauen, die sich ganz offensichtlich mit dem wohlfühlen, was da mit ihnen passiert. Sie müssen nicht breit grinsen, aber … ich hätte gern:

  • ein zufriedenes „In sich ruhen“
  • ein kaum wahrnehmbares Lächeln
  • Genuss in den Augenwinkeln
  • Schelmisches Funkeln, auch wenn das Gesicht ernst scheint

Ich will keine Bilder, bei denen es aussieht, als würde man der Frau non-consensuell Gewalt antun. Punkt. Ich schreibe eher in Richtung „feel good“ – wholesome fantasy porn. Oder irgendwie so. Frei nach der Prophezeiung in einer bekannten Jugendbuchreihe – „Du wirst leiden, dich aber sehr darüber freuen“ – soll man den Wesen auf meinem Cover immer die Freude ansehen.

Nummer 3: Der Hintergrund

Ich bin keine vollkommene Grafikniete, aber jetzt auch kein Genie. Mit anderen Worten: Selbst wenn ich ein Foto finde, auf das alle meine Kriterien passen, sollte ich dann mit meinen Skills bitte auch in der Lage sein, die Frau freizustellen.

Super:

  • Grauer, weißer, roter … einfarbiger Hintergrund
  • bereits freigestellte Figuren
  • simple Hintergründe (einfarbiger Boden + einfarbige Tapete)
  • Hoher Kontrast

Nicht so super:

  • Figur und Hintergrund verschmelzen
  • Hintergrund ist ein Bett, am besten noch mit zerknüllten Lagen, knautschigen Kissen und anderem Zeug, das Wellen wirft und teilweise die Figur überlappt
  • irgendwelche Filter, die dafür sorgen, dass die Figur farblich teilweise mit (teils ohnehin ungeeignetem) Hintergrund verschmilzt
  • Schatten, der mit der (natürlich schwarz gekleideten) Figur verschmilzt, sodass ich nicht sehe, wo was anfängt / aufhört
  • Figur ist nicht im Vordergrund, stattdessen ist dort irgendein nicht scharf gestelltes Ding (z.B. Bettpfostenschnörkel)
  • wabbeliger Kontrast

Und nun?

Stand vom 25.10.2019 um 14:07 und ich bin auf der fieberhaften Suche nach einem letzten Bild, da mein Probe-Abo in ein paar Stunden abläuft und ich finde einfach nichts, das meinen doch recht strengen Kriterien genügt …