#Aprilkink 2021 – dieses Jahr mit Motto!

Content Notes: Sex, BDSM (für diesen Post und wohl für jeden Text, den ich verlinken werde), Corona / Pandemie (spezifisch für diesen Post, erwähnt)

Wenn ich nichts verwechsle, ist der Aprilkink vollständig einer Initiative von hungryKitten entsprungen, ursprünglich als kleines Schreibevent für die persönliche Motivation:

Dann haben noch andere Leute mitgemacht (seit 2020 inklusive mir – hier könnt ihr euch die Texte vom letzten Jahr anschauen.) und so langsam wird das ganze immer größer und twitter-umspannender (das ist großartig 😀 ).

Kittens Blog für den Aprilkink findet ihr dort: https://aprilkink.home.blog

Ich werde auch für dieses Event erytanische Geschichten schreiben, die Prompts haben dieses Jahr allerdings einen kleinen Twist: Meine Promptliste enthält ausschließlich Pervertables, die irgendwie in den Text eingefügt werden müssen.

Warum?

Weil ich merke, dass die aktuelle Pandemie-Situation, die dazu führt, dass ich fast nur noch zum Einkaufen von Lebensmitteln das Haus verlasse, mir auch die Inspiration raubt. Viele Inspirationen – sowohl für so manches Drabble als auch für viele Szenen im ersten Erytan-Roman – stammen aus dem Besuch in Baumärkten, Gartencentern, Möbelhäusern … Ich sah dort irgendwelche an sich komplett harmlosen Dinge und mein Kopf ratterte sofort los und baute daraus Sessions.

Bei Band zwei merke ich stark, wie sehr mir diese Form der Inspiration fehlt. Die Sessions, die eigentlich Kernpunkt und Highlight des Romans sein sollen, kommen mir selbst unkreativ und irgendwie langweilig vor, obwohl objektiv in jeder eine Menge passiert. Das führte dann dazu, dass ich mit jedem Tag mehr blockiert bin und zu dem Entschluss, dass ich daran was ändern muss.

Okay, wenn ich nicht nach draußen kann, um mich inspirieren zu lassen, muss ich im eigenen Haus nach Inspiration suchen. Daher habe ich meine Teilnahme dieses Jahr unter das Motto „Pervertables“ gestellt – welche absolut nicht kinky geplanten Gegenstände, die viele im Haushalt haben, können genutzt werden?

Falls andere Lust haben, meine Promptliste zu verwenden, habe ich zusätzlich zu meinen Prompts noch ein paar Joker – denn es gibt Dinge, die in Erytan keine Pervertables sind (wie beispielsweise Fächer und Kerzen), weil sie zumindest mit Kink in den Hintergedanken oder als mögliche Option überhaupt erst hergestellt werden – was aber in unserer Welt anders ist.

Reminder, wie ich die Challenge für mich gestalte:

Jeden Werktag ziehe ich einen Prompt und schreibe ein Drabble. Jeden Samstag ziehe ich zwei und schreibe Samstags 200 statt 100 Wörter.

Am 01.04. geht es los und wie immer wird sich die Promptliste mit jedem Tag etwas ausdünnen und sich dafür das Inhaltsverzeichnis füllen, bis es keine Prompts mehr gibt.

Wichtig: Die Content Notes für die Geschichten stehen in den Tags. Die Tags stehen neben dem Posting. Wer keine benötigt, kann sie in Ruhe ignorieren. Wer sie braucht, kann sie bequem lesen und sich dann entscheiden, das Passwort einzugeben oder nicht :).

Wenn euch wichtige CN fehlen, dann zögert nicht, mir bescheid zu geben! Ich ergänze sie gerne.

Inhaltsverzeichnis

Aprilkink – Tag 1 – Meta-Geschenke
Passwort: Mrau!
Prompt: Geschenkband

Aprilkink – Tag 2 – Ein Versehen?
Passwort: Herzenswärme
Prompt: Kleiderbügel

Aprilkink – Tag 3 – Gemütliche Abkühlung
Passwort: Eisfeuer
Prompts: Frühstücksbrettchen, zerstoßenes Eis

Aprilkink – Tag 4 – Sanfte Inbesitznahme
Passwort: Frühlings-Haft
Prompt: Blumen

Aprilkink – Tag 5 – Wie man sich bettet
Passwort: Minitatze
Prompt: Laufgeschirr einer echten – und sehr kleinen – Katze

Aprilkink – Tag 6 – Auf den ersten Blick
Passwort: Teesorte
Prompt: Zeigestock

Aprilkink – Tag 7 – Wartezeitvertreib
Passwort: Zwischenspiel
Prompt: Gürtel

Aprilkink – Tag 8 – Erwischt!
Passwort: Ideenschnitzerei
Prompt: Holzpfannenwender

Aprilkink – Tag 9 – Erziehungsmethoden
Passwort: signiert
Prompt: Glasfeder und Tintenfass

Aprilkink – Tag 10 – Marke Eigenbau
Passwort: how about no
Prompts: Wasser + Bleistift

Aprilkink – Tag 11 – Improvisation!
Passwort: Mhm
Prompt: Stofftaschentuch

Aprilkink – Tag 12 – Zufallsfund
Passwort: Tierschutz
Prompt: Glöckchen

Aprilkink – Tag 13 – Kitsch
Passwort: cuteness
Prompt: Schal

Aprilkink – Tag 14 – confirmed
Passwort: Streifen
Prompt: Haarkamm

Aprilkink – Tag 15 – Sorgfalt
Passwort: Favole
Prompt: Kohle / Schminke

Aprilkink – Tag 16 – schwere Rollen
Passwort: Rollen-Spiele
Prompt: Pergament

Aprilkink – Tag 17 – Eigentlich wollten wir ausgehen!
Passwort: Notwendigkeiten
Prompts: Lineal + Feder (nicht zum Schreiben)

Aprilkink – Tag 18 – Übermut
Passwort: Spontanität
Prompt: Korb

Aprilkink – Tag 19 – Küchengerät oder …
Passwort: Spielzeug
Prompt: Limettenpresse

Aprilkink – Tag 20 – Einvernehmliches
Passwort: Waschtag!
Prompt: Wäscheklammern

Aprilkink – Tag 21 – Fail!
Passwort: Neckereien
Prompt: Getränkestößel

Aprilkink – Tag 22 – Perspektivwechsel
Passwort: Zehn Zentimeter
Prompt: Tanzschuhe

Aprilkink – Tag 23 – Vorfreude
Passwort: Unlösbar
Prompt: Notizbuch

Aprilkink – Tag 24 – Sorgfältige Vorbereitungen
Passwort: Fusselchen
Prompts: Haarbürste + Bindfaden (nicht für Bondage)

Aprilkink – Tag 25 – Doppeltes Spiel
Passwort: Alle gewinnen.
Prompt: (Marmeladen- oder andere) Gläser

Aprilkink – Tag 26 – Safe(r)?
Passwort: scharf
Prompt: Haarnadeln

Aprilkink – Tag 27 – Ein Kettchen
Passwort: Der Anfang ist das Ende
Prompt: Wasseruhr

Aprilkink – Tag 28 – Noch mehr Nostalgie
Passwort: geklaut und zweckentfremdet
Prompt: Holzlöffel

Aprilkink – Tag 29 – Zu früh!
Passwort: Moretum
Prompt: Stößel eines Mörsers

Aprilkink – Tag 30 – Gemeine Ideen …
Passwort: andere Fesseln
Prompt: Pinsel

Du kannst nicht genug von kinky Geschichten bekommen?

An dieser Stelle empfehle ich noch einmal den Blog von Aprilkink-Gründungsperson Kitten: https://aprilkink.home.blog – dieses Jahr werden dort neben den Geschichten von Kitten auch die Beiträge von Josa, Noro und exprosed papervert veröffentlicht.

Kleiner Schreibguide zu „Ich will über nicht-binäre Figuren schreiben, wie mache ich das?“ – ein paar Anregungen und Beobachtungshilfen

Obligatorische Anmerkung: Dieser Blogpost dient der Information. Ich werde versuchen, ihn regelmäßig zu updaten und so viele Perspektiven wie möglich einzufügen, da ich nur eine Person bin und die Erfahrungen sich sehr stark unterscheiden können. Es lohnt sich also, diesen Artikel in den Lesezeichen zu speichern und immer mal aufzurufen. Im Falle größerer Updates kann es sein, dass ich die neue Version twittere, sodass ihr auf meinem Twitter-Profil am ehesten News findet. Das findet ihr dort. Wenn ihr etwas gelernt habt und finanziell in der Lage seid, etwas zurückzugeben, könnt ihr mich auf Patreon unterstützen.

Ich will mit diesem Blogpost empowern und dazu ermutigen, Bücher zu schreiben, in denen nicht-binäre Personen von Anfang an einen Platz haben und ganz selbstständig Teil der Welt sind, statt nachträglich irgendwie holprig eingefügt zu werden. Und auch wenn ich dabei auch Schwierigkeiten benenne, will ich damit nicht abschrecken, sondern sensibilisieren. Und vielleicht verhindern, dass Leute, die es ehrlich versuchen und dann vor Hürden stehen, nicht sofort aufgeben. Daher die Vorwarnung: Natürlich gibt es Hürden, weil die Mehrheitsgesellschaft so stark binär gecodet ist im deutschsprachigen Raum. Aber nun, da wesen weiß, dass sie da sind, kann wesen sich schon mal wappnen – und Wege suchen.


CN: Reproduktion von Binarismus zu Dekonstruktionszwecken, Selbst-Misgendering in Bezug auf mein Leben vor dem Outing, Cis-Sexismus, Cis-Normativität, Erwähnung des TSG / Gutachten, Essen und Trinken (erwähnt), Heteronormativität, Alkohol (erwähnt), Schwangerschaft (erwähnt), Queercoding (erwähnt), Haustiere (erwähnt), Insekten und Krabbeltiere (erwähnt in einem Stichpunkt), BDSM (wird in einem Nebensatz erwähnt und als Beispiel thematisiert), Kinkshaming / Subshaming (erwähnt).


Zunächst einmal eine kleine Dekonstruktion. Es ist nicht so, als gäbe es nicht-binäre Menschen erst seit 2015, sodass wesen 2020 dann plötzlich auf die Idee kommen könnte, über sie in Büchern zu schreiben. Binarität per se ist ein Konstrukt, das eng mit dem Kolonialismus verzahnt ist und vielen Kulturen, die eigentlich schon sehr lange Konstrukte außerhalb der Binarität hatten, das Zwei-Geschlechter-Bild aufdrängten.

Das Judentum kennt beispielsweise sechs Geschlechter mit genau festgelegten Rechten und Pflichten. Auch andere Kulturen kennen oder kannten andere Geschlechtersysteme, die zum Teil vom vorherrschenden System überdeckt oder ausgelöscht wurden, zum Teil heute noch existieren, aber sprachlich unsichtbar gemacht werden. Einen Überblick über das Thema „Kolonialismus und Geschlecht“ im Allgemeinen gibt Alex in sierem Blogpost.

Dass ich die Überschrift formuliert habe, wie ich es tat, liegt nicht zuletzt daran, dass die Frage danach ständig aufkommt. Sie wird nicht nur mir gestellt, sondern gefühlt so ziemlich allen, die in Schreibspaces unterwegs sind und in diesen Spaces als nicht-binär geoutet sind. Ich empfehle den Artikel von skalabyrinth zum Thema „Biologismus in der Fantastik“ und seine Geschichte „Planet der Frauen„. Fragen, wie sie dort Karian gestellt werden oder im Sachartikel zitiert wurden, wurden auch mir bereits gestellt (Plus einige weitere).

Da ich eine Person mit wenig Energie bin, und somit meine Ressourcen gut einteilen muss, habe ich also hiermit einen sehr langen Blogpost geschrieben, um bei Fragen darauf und auf die darin verlinkten Quellen zu verlinken.

Hier liegt ein Fehler vor

Die meisten Leute, die selbst cis und/oder binär sind, aber irgendwie mitbekommen haben, dass es auch nicht-binäre Leute gibt und diese dann in ihre Geschichte einbauen wollen (die Motive dafür lasse ich außen vor), stellen sich das gefühlt so vor, wenn ich aus dem, was ich gefragt werde und was ich woanders gelesen habe, Schlüsse ziehen darf:

Wesen nehme eine biologistische, cis-normative Welt und füge da ein paar nicht-binäre Personen ein. Diese haben zwingend ein irgendwie abweichendes Äußeres, haben eventuell auch schon Operationen hinter sich gebracht oder vor sich und nutzen Pronomen, die auf keinen Fall „er/ihn“ oder „sie/ihr“ sind. (Und nach Möglichkeit auch nicht „es“, denn „es“ ist voll schlimm. Ganz sehr mega-furchtbar. Das verwendet doch echt freiwillig absoluuuut nie irgendwer!) Sie sind ganz selbstverständlich sofort auf den ersten Blick als nicht-binäre Person zu erkennen und ziemlich oft nicht einmal menschlich.

Ja, da sind ganz dezente Sarkasmus-Vibes. Der erste Schritt wäre, damit aufzuhören, bestimmten Eigenschaften automatisch ein bestimmtes Geschlecht zuzuweisen. Ich habe ein wenig herumgefragt, um zu sammeln, welche Eigenschaften das sind.

Diese Liste ist ermüdend, aber nicht erschöpfend:

  • Haarlängen (Personen jeden Geschlechts und auch temporär/permanent ohne Geschlecht, und auch Personen mit mehreren Geschlechtern können jede Haarlänge haben.).
  • Haarfarbe (Ja, auch ein dya cis Mann kann sich die Haare beispielsweise zart pink färben).
  • Bekleidung (Jeder Mensch, der ein Kleid rocken möchte, kann, darf und soll ein Kleid rocken, ohne automatisch zwangsweise einsortiert zu werden).
  • Stimme (Es gibt andere Adjektive dafür: Hell, dunkel, tief, hoch, kindlich …).
  • Generell Farben, Schnitte, Muster … alles, was für den Selbstausdruck verwendet wird. Bei Kindern auch gerne Farbe und Design von Dingen wie “Brotdosen” oder “Rucksack”.
  • Make-Up.
  • Lieblingsmusik (I kid you not. Als ich noch nicht wusste, dass ich nicht cis bin, war die Reaktion auf das, was ich gerne anhöre “Aber du bist doch ein Mädchen!”. Und das hat was miteinander zu tun, weil?).
  • Lieblingsfächer / Spezialisierungen / Studiengänge (Dass ich nicht Physik studiert habe, verdanke ich einer Verkettung zahlreicher zum Teil sehr bizarrer Zufälle. Mit meinem “Gender Assigned at Birth” hat das nichts zu tun und ich habe in meiner gesamten Schullaufbahn eher MINT-Dinge gemacht.).
  • Schmuck (Ich würde im Übrigen sehr gerne Unisex-Schmuck tragen, der ist mir nur leider zu groß, wodurch “Unisex” eigentlich einfach ein anderes Wort für “Für dya cis Männer in Normgröße, aber wir wollen nicht ‘for men’ draufschreiben” ist.).
  • Berufswahl (Ich erinnere mich an den Fall einer dya cis Freundin, die in ihrem Ausbildungsberuf nicht arbeiten konnte, weil alle Betriebe in ihrer Stadt keine nach Geschlecht getrennten Umkleide- und Duschbereiche hatten, dies aber vorgesehen sei …).
  • Gang (Ich weiß, dass einige Menschen in der Hinsicht auch üben und dass dies in Gutachten nach TSG zur Sprache kommt, wie die Person läuft. Für mich schwer einzuschätzen, weil mein Gang aufgrund einer Behinderung ohnehin nicht “agab-konform” ist. Von meiner Familie hörte ich sehr oft den Ausdruck “Du bist doch ein Mädchen und kein Lastenzug, nun GEH gefälligst auch so”.).
  • Essgewohnheiten (Ich glaube, das ist schon sehr vielen Leuten passiert – dass bestimmtes Essen oder bestimmte Getränke mit einem bestimmten binären Geschlecht assoziiert werden und dadurch bei Bestellungen auswärts das Essen/das Getränk falsch zugeordnet wurde.).
  • Ausdrucksweise (In russischsprachigen Gesellschaften gibt es beispielsweise klare Vorstellungen davon, wer fluchen darf und wer nicht.).
  • Fahrstil (Mit den cis-sexistischen und binäristischen Klischees darüber, wer angeblich wie fährt, haben Leute Bücher gefüllt und gut Geld verdient).
  • Wie die Person klingt, wenn sie lacht (Ich weiß es doch auch nicht …).
  • Ich habe das Offensichtliche vergessen, nämlich Körperbau an sich, wo bestimmte “Bauteile” mit bestimmten binären Geschlechtern verbunden werden.
  • Pflegeprodukte (Ich muss gerade an ein Buch denken, in dem ein dya cis Mann herrlich nach “sinfull peach” duften darf und muss grinsen. Aber im Ernst. Es gibt Leute, die mögen generell keine parfümierten Produkte, egal ob da eine pinke Blume, lila Glitzersterne oder ein “for men” draufsteht. Es gibt bestimmt dya cis Männer, die auf fruchtige und blumige Düfte stehen. Und so weiter. Ich weiß von dya cis Menschen, die aus Parfümerie-Produkten, die sie antreffen, wenn sie Leute besuchen, darauf zu schließen versuchen, ob diese [hetero] Besuch empfangen. Don’t.).
  • Wohnungseinrichtungen. (Ihr kennt doch auch diese Romane, in denen eine sogenannte “Junggesellenbude” beschrieben wird und es dann heißt, für die richtige Gemütlichkeit fehle die “weibliche Hand” oder “das weibliche Auge”? Nun, ich bezweifle, dass ein Auge von Alexis in einer Schale wirklich für alle zu mehr Gemütlichkeit beitragen würde …/s).
  • Vorliebe / Abneigung bestimmten Medien gegenüber (Es hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, ob Leute gern Bilder von Sonnenuntergängen anschauen, Liebeslieder anhören und/oder Liebeskomödien aus Deutschland mögen. Ja, das Umfeld kann insofern einwirken, dass diese Klischees dort reproduziert werden und wesen je nach AGAB eher zu bestimmten Medien gedrängt wird oder sich selbst zwingt, so zu tun, als würde wesen sie mögen/ablehnen. Aber das ist eine weitere Baustelle, um die es mir hier gerade nicht geht.).
  • Generell Mimik und Gestik (Don’t ask me. Bei mir ist beides sehr stark von meinem Autismus geprägt. Aber wenn wesen sich die queer gecodeten Disney-Bösewichte anschaut, bekommt wesen mit, wie eine binäristische, cis-normative Linse sich da auswirkt.).
  • Alkoholkonsum bzw. Alkoholverzicht (Zum einen in der Form, wem welches Getränk bei Bestellungen gebracht wird, zum anderen aber auch, dass je nachdem, welches Geschlecht ohnehin rein nach Optik fremdzugewiesen wurde, der eigene Konsum oder Nicht-Konsum verschieden bewertet wird. Ich werde gefragt, ob ich schwanger bin. Mein Vater nicht.).
  • Haustiere (Warum gibt es das Klischee der Katzenlady, aber nicht das des Katzengentlemans? Und dass es umgangssprachlich als “Handtaschenwauwau” bezeichnete Hunde gibt, die auch gern verwendet werden, um Villains zu queercoden, durfte ich auch in einigen Medien schon erleben.).
  • Gesichtsbehaarung – Bart, Augenbrauen, Koteletten, der Bereich über der Oberlippe … Zwar unterliegt es modischen Schwankungen, wie viel dort welches binäre Geschlecht aktuell zu haben hat, aber hätte ich einen Schnurrbart, würde ich mit Sicherheit genauso falsch zugeordnet werden wie ohne.
  • Friert schnell / ist immer warm (Leute, die mich für cis weiblich halten, taggen mich in sozialen Netzwerken oder schreiben mir Gruppennachrichten, in denen sie Dinge schreiben wie “Na, Mädels? Wäre dieser Ganzkörperstrickpulli nicht ganz toll für uns alle?” Nope. Ich sterbe allein bei dem Anblick. Ob Leute schon bei 20 Grad statt 21 eine Strickjacke brauchen oder beim gleichen Wetter in T-Shirt und Shorts im Freien rumrennen, hängt nicht von ihrem AGAB ab.).
  • Umgang mit Insekten und Krabbeltieren (Ich erschrecke mich eigentlich nur, wenn da plötzlich was Großes unvorhergesehen in meinem Blickwinkel spawnt. Ansonsten bin ich mehr so “Ja, das ist ein Nützling und macht die Schädlinge in unserer Wohnung platt. Schön leben lassen und nicht killen”.).
  • Welche Medien nicht nur konsumiert, sondern geschaffen werden. (In meiner Schreibbubble höre ich regelmäßig, dass sich cis weibliche Menschen darüber aufregen, pauschal in die Jugend- und/oder Romance-Ecke gestellt zu werden, auch wenn sie vollkommen andere Dinge machen. Und natürlich wird auch davon ausgegangen, dass bestimmte Leute Kleidchen malen und andere Leute Autos. Schon als Kinder.).
  • Interesse an Sport (Sowohl aktiv als auch passiv. Bestimmte Sportarten gelten als unmännlich/unweiblich zu betreiben. Und das Klischee vom dya cis Mann, der am liebsten Fußball schaut, hält sich auch hartnäckig.).
  • Am Namen. Das ist so banal, dass es beinahe entfallen wäre. Aber die meisten Namen sind in der deutschen Sprache in irgendeiner Form binär gecodet. Es gibt ein paar Unisex-Namen, aber ansonsten gehen Leute automatisch bei bestimmten Namen/Endungen auch von einem bestimmten (binären) Geschlecht aus. Ich wurde auch schon gefragt, ob ich mir jetzt einen neuen Namen zulegen möchte, der geschlechtsneutraler sei, weil ich doch jetzt weiß, dass ich nicht cis bin.
  • Gefährliche Berufe werden eher dya cis Männern zugetraut, seltener dya cis Frauen. Menschen, die nicht cis sind und/oder nicht in die Binarität reinpassen, werden nicht als “stark genug” für diese Berufe wahrgenommen. (Beispielsweise Bergbau, Feuerwehr), während bei Care-Arbeit angenommen wird, dass sie von dya cis Frauen erledigt wird (Kuchen backen, babysitten). In der Linguistik nennt sich das “markiert” vs. “unmarkiert” – wenn eine große, bärtige Person mit Er-Pronomen einen Feuerlöscher hält, ist das “unmarkiert”, es gilt als normal. Hält die gleiche Person dagegen ein Blech mit Brownies, ist das markiert und wird schon mal beäugt. Und natürlich ist das ganze ein ziemlich binärer und cis-normativer Blickwinkel, denn in beiden Fällen kann die Person JEDES Geschlecht haben (oder gar keins, oder mehrere), aber nur eine der beiden Personen entspricht dem Bild einer cis- und binärnormativen Gesellschaft und ist somit unauffällig. (Es geht hier um Machtstrukturen in der Gesellschaft, es … ist kompliziert. Aber es wird in Comedy schon mal als Comic Relief verwendet, wenn eine sehr maskulin auftretende Person Care-Arbeit macht und ich muss dann jedes Mal zusammenzucken.).
  • Körpergröße – das fällt mir vor allem bei den ganzen dya cis hetero Liebesromanen auf, bei denen es immer die weiblich kodierte Person ist, die auf Zehenspitzen steht und hochgehoben / festgehalten werden muss, weil sie soooo so viel kleiner ist. Und natürlich ist in vielen BDSM-Geschichten, um mal mein eigenes Genre zu erwähnen, die unterwürfige Person klein und niedlich, die dominierende groß.
  • BDSM-Neigungen – achtet mal darauf, dass es zwar in letzter Zeit öfter die binäre Beidnennung MaleDom und FemDom gibt, aber sowohl “MaleDom” als auch “MaleSub” seltener sind. Dass überhaupt „MaleDom“ und nicht nur „Dom“ geschrieben wird, ist relativ neu. Außerdem begegnet mir das Wort „MaleDom“ fast ausschließlich im Literaturkontext, wenn Leute nach Büchern suchen und auf diese Weise näher eingrenzen, was sie gern lesen würden und was nicht. Häufiger ist es einfach „der Dom und die Sub“, als wären die heteronormativ-binärsexistischen Rollenverteilungen eine Selbstverständlichkeit (Nope). Manchmal wird auch das Gegensatzpaar „Dom und Domme“ gebildet, wobei aber die Grundform, von der abgeleitet wird, die mit dem grammatisch männlichen Genus ist. Und ich kann mich an keine einzige Instanz von “FemaleSub” (oder FemSub) erinnern, die mir seit ich mich aktiv mit dem Thema aufgefallen wäre, begegnet wäre (was nicht heißt, dass es die Worte nicht gibt, ich tätige nur die Selbstaussage, es zum jetzigen Zeitpunkt nie gelesen zu haben). Aus linguistischer Sicht wird dabei das markiert, was als ungewöhnlicher gilt – die dominante Frau und der devote Mann. In dieser Logik kommen switchende Leute und nicht-binäre Menschen dann gar nicht vor. (Und das Fass mit dem Subshaming, dem unter anderem dya cis Männer besonders ausgesetzt sind, mache ich hier nicht auf, weil das nicht das Thema ist.).

Auch im Artikel Binäre Geschlechtszuweisungen, überall wird das Thema behandelt, ich empfehle ihn an dieser Stelle als weitere Perspektive auf die Allgegenwärtigkeit von Geschlechtszuweisungen.

Genauso wenig, wie wesen an all diesen Dingen das Geschlecht ablesen kann, kann wesen auch Pronomen nicht anhand dieser Punkte erraten. Sofern sie nicht auf irgendeine Weise mitgeteilt wurden, sind sie erst einmal unbekannt, und wesen sollte davon absehen, einfach zu raten. Im Englischen gibt es dafür „they“, das als Platzhalter genutzt werden kann. „I saw a child in a red dress. They walked the family dog.”

Leider gibt es im Deutschen nichts Vergleichbares – also kein Pronomen, das die Bedeutung „Geschlecht und Pronomen der Person, die wesen da gerade vor sich hat, unbekannt“ trägt. Es wäre schön, wenn es im Deutschen auch ein Pronomen gäbe, das genau diese Bedeutung („Tatsächliches Pronomen unbekannt“) hat und das somit als Platzhalter verwendet werden kann.

Gleichzeitig ist die deutsche Sprache flexibel genug, um im Zweifelsfall drumherum zu kommen:

  • Ich habe ein Kind im roten Kleid gesehen. Es ging mit dem Familienhund Gassi.
  • Ich habe ein Kind im roten Kleid gesehen, das mit dem Familienhund Gassi ging.

An dieser Stelle wichtig zu erwähnen: Auch das Englische kennt sehr wohl Neopronomen! „They/them“, das einfach nur als Marker für „Pronomen unbekannt“ verwendet wurde und das einige Menschen für sich selbst als Pronomen verwenden, ist nicht automatisch das universelle englischsprachige Pronomen für alle englischsprachigen nicht-binären Menschen. Hier ist ein englischsprachiger Artikel dazu, der etliche Beispiele auflistet: https://lgbta.wikia.org/wiki/Neopronouns .

Wenn ich in Spaces bin, in denen ich mich nicht outen möchte, aber gleichzeitig mich nicht selbst misgendern möchte (was ich zumindest auf Deutsch und Englisch gut vermeiden kann), muss ich tricksen und das ist mir inzwischen in Gewohnheit übergegangen.

Wenn ich über meine Tätigkeiten spreche:

  • “Ich schreibe in meiner Freizeit.”
  • “Beruflich mache ich Dinge mit Text- und Bildredaktion.”
  • “Als Person, die gern Kleider kauft, kann ich dir ein paar Tipps geben, was du beachten musst, wenn du das online machen willst.”

Wenn ich über mich selbst spreche:

  • “Als schnell overloadende Person finde ich wunderbar, dass es Rückzugsräume gibt.”
  • “Als eine Person, die Vocaloid vor allem wegen der Storys hört, bin ich immer etwas traurig, dass es meist vor allem Merchandising zu Hatsune Miku gibt.”

Manchmal ist es die beste Variante, etwas zu umschreiben, weil es kein geschlechtsneutrales Wort im Deutschen gibt, um etwas auszusagen. Es gibt die Schreibweisen mit Sonderzeichen (die allerdings für manche Menschen nicht barrierearm sind, siehe ein von skalabyrinth zu dem Thema verlinkter Link weiter unten) und es gibt stets die Möglichkeit, ein neues Wort zu erfinden, aber das muss wesen dann etablieren. Somit ist das Umschreiben in manchen Fällen die Lösung, die am besten im Alltag funktioniert.

Prosa bietet da – vor allem Fantastik – allerdings noch ganz andere Möglichkeiten. Allerdings auch Fallstricke. Sarah Stoffers hat einen Thread dazu verfasst, warum es verletztend ist, wenn die nicht-binäre Repräsentation ausschließlich über Aliens, KI, Fabelwesen etc. passiert.

Die Seite https://geschicktgendern.de/ schlägt einige Umformulierungen vor, hat für einige Formulierungsprobleme aber auch noch keine Lösungen oder bietet ebenfalls “nur” Umformulierungen.

Wenn also in Prosa eine Welt geschaffen werden soll, die aus der Binarität auch sprachlich ausbricht, so braucht es dafür eine ganze Menge an Neologismen und Neuschöpfungen. Das ist okay. Gerade die Fantastik lebt ohnehin davon und ganz viele sind so unauffällig oder selbsterklärend, dass ich sie inzwischen im Alltag nutze und sie auch ohne große Umgewöhnung genauso gut in nicht-fantastischen Genres stehen könnten. (Beispielsweise Partnerperson, Lernende, Lehrpersonen.)

Damit wird fließend übergeleitet vom Schritt „Problem erkennen“ zum nächsten Schritt:

Lösungen werden angesetzt

Es gibt also diese zwei großen Problemgebiete in Bezug auf das Schreiben – zum einen, dass alle möglichen Dinge zu Geschlechtsmarkern erklärt werden und diese im Kopf erst einmal entgendert werden müssen und zum anderen, dass die deutsche Sprache in einigen Bereichen nur durch Umwege ein (barrierearmes) Entgendern ermöglicht.

Problem 1 kann wesen angehen, in erster Linie, indem wesen sich all diese Dinge bewusst macht. Vielleicht nicht alle auf einmal, aber je nach Genre kann wesen sehr viele kleine Dinge tun:

  • Auch dya cis binäre Charaktere einfach angeblich gendernonkonforme Sachen tun / haben lassen, ohne dass es im Text selbst als auffällig oder interessant markiert wird (Beispielsweise so: “Es waren drei Kinder zur Geburtstagsparty erschienen. Lola, in einem grünen Kleid, Paul in einem blauen und Fabienne in einer Jeanslatzhose mit Glitzer und einer passenden Bluse.”).
  • Es gibt einige großartige Neologismen, beispielsweise das Wort “Eltschwister”, das ich mir für meine Romane ausgeliehen habe und das die Geschwister von Elternteilen bezeichnet. Das nibi-space sammelt entsprechende Wörter für mehrere Gelegenheiten auf dieser Seite. In einem Science-Fiction-Setting gehen natürlich auch Anglizismen, ebenso wie in Urban-Fantasy-Settings oder in Geschichten, die in der Jetzt-Zeit spielen. Bei anderen Genres muss ein bisschen mehr getrickst werden – aber ganz ehrlich? (An dieser Stelle muss ich mich kurz aufregen) Verfassende und Lesende von beispielsweise Regency-Romanen haben kein Problem damit, die komplizierten Regeln dazu, wie sich welche Adelstitel untereinander verhalten und wer wen wie anreden darf in welcher Situation zu merken. Leute, die High Fantasy verfassen, haben kein Problem, sich ganze Sprachen auszudenken. Andere Leute lernen in ihrer Freizeit einfach so aus Spaß Elbisch oder Klingonisch, aber dann soll es zu kompliziert sein, sich ein paar entgenderte Vokabeln zu erschließen? Come on. Ihr werdet weder Thranduil noch klingonische Erstsprechende jemals auf einer Buchmesse antreffen – mich aber vielleicht schon.
  • Spätestens beim Überarbeiten kann wesen auf die Figuren schauen: Hat wesen da versehentlich vielleicht zu viele (nicht nur in Bezug auf Geschlecht) Stereotypen auf eine Figur draufgesetzt und sollte ein wenig besser durchmischen? Sind beispielsweise alle Nicht-Männer klein? Oder nur die trans Männer? Oder nur die dya cis Männer, die in einer Beziehungsdynamik eher sanft sind? Wer hat welchen Beruf?
  • Natürlich das, was ich oben genannt habe, anwenden – und bei einer Gruppe unbekannter Leute nicht anhand irgendwelcher Merkmale Geschlecht und Pronomen zu raten versuchen. Wenn eine anonyme Gruppe aus Leuten in Rüstung und aus Leuten in Kleidern vorbeiläuft, sind das einfach Leute in Rüstungen bzw. Kleidern.
  • Herausforderungen als Chancen begreifen. Es gibt ein paar Wörter, die schwerer zu entgendern sind als andere (beispielsweise so ziemlich alles, was mit Freundschaft zu tun hat, weil da schon der Wortkern das Problem ist und Freund*innen nicht für alle Menschen barrierefrei/barrierearm ist). Warum nicht die Chance nutzen und ein maßgeschneidertes Wort erfinden, das perfekt zur eigenen Geschichte passt?

Ich habe die Liste mit den Dingen, denen ein Geschlecht zugeschrieben wird, mit Hilfe zahlreicher anderer Leute zusammengetragen (ein großes Dankeschön an die Leute aus dem „Discord für Autor*innen“-Server und an mit mir befreundete Leute für den Input, allein wäre mir nur ein Bruchteil davon eingefallen), denn ganz ehrlich? Obwohl ich als nicht-binäre, darum in sehr vielen Strukturen nicht so reicht reinpassende Person regelmäßig wegen der unmöglichsten Sachen anecke, wäre mir sehr viel davon erst einmal nicht eingefallen. Dafür ist es einfach zu stark verwurzelt und es gibt so viele Baustellen, an denen dekonstruiert werden muss, dass ich absolut verstehe, wenn es komplett unmöglich ist, alle gleichzeitig anzupacken.

Ich bin selbst noch dabei, immer wieder zu dekonstruieren, wo ich Problematisches in meinem eigenen Denken und Handeln finde. Es ist ein Work in Progress.

Aber irgendwo muss wesen anfangen und meine Liste ist da vermutlich ein möglicher Anhaltspunkt für alle, die gerne würden, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen und wie.

Zu Problem 2 hat F. B. Knauder schon 2020 einige Vorschläge gemacht, wie Prosatexte inklusiver gestaltet werden können. Einige davon sind sehr gut, andere noch etwas binär fokussiert – genau davon soll der Fokus weg.

Aber meiner Meinung nach ist es beim Schreiben wie beim Zeichnen, zumindest, wenn ich das Zeichnen lerne (und ich lerne es anders, als neurotypische Menschen). Und vielleicht ist der Vorgang abstrahierbar und mit anderen Lernvorgängen vergleichbar:

Sobald ich lerne, etwas korrekter wahrzunehmen (beispielsweise, dass Augen von der Seite eigentlich durchsichtige Kuppeln sind, die Retina dann unter dieser Kuppel liegt und in ein Loch mündet, das die Pupille ist), statt von einem vorgefertigten Fest-Bild in meinem Kopf auszugehen, ohne es mit der Außenwelt abzugleichen, zeichne ich etwas auch automatisch korrekter. Nicht zu 100%, weil da noch andere Faktoren wie persönlicher Stil, bewusste Verfremdung und Übung/Können dazukommen, aber ich mache jedes Mal, wenn ich eine neuere Wahrnehmung erlerne, einen Quantensprung in Sachen “Wiedergabe”.

Und das ist etwas, worauf ich mit diesem Artikel hinauswill – what has been seen, cannot be unseen und wenn wesen erst darauf gestoßen wird, was alles zumindest in dieser mitteleuropäischen Gesellschaft alles vom Mainstream strikt binär eingeteilt wird, fängt das Dekonstruieren bereits an.

Ich kann von mir beispielsweise sagen, dass mir generisches Maskulinum / Femininum sehr krass auffällt. Es ist nicht mehr länger die neutrale Form, sondern eine markierte und ich stelle mir dann die Frage: Wer genau ist hier eigentlich gemeint?

Ebenso weiß ich von anderen Menschen, denen nicht entgenderte oder durch Beidnennung exkludierende Texte auffallen. (Siehe dazu beispielsweise diesen großartigen Text über das Gendern und barriere-reduzierte Varianten dafür).

Zurück zum Thema

Vor lauter Abschweifungen hätte ich nämlich fast vergessen, worum es eigentlich geht. Also ganz konkret:

  • Du schreibst ein Buch
  • In diesem Buch sollen nicht-binäre Personen vorkommen
  • Du willst sie auf eine respektvolle Art einbauen und nicht in sämtliche Fallen tappen, die das Cistem so aufgestellt hat

Was bietet dir dafür dieser sehr lange Artikel an?

  • Eine ironische Aufzählung der häufigsten Fehlerquellen samt Links zu Informationen
  • Eine lange Auflistung von Dingen, die in unserer mitteleuropäischen Gesellschaft binär gegendert werden, damit du Stereotypen leichter erkennen und vermeiden kannst
  • Weiterführende Links ebenso wie konkrete methodische Vorschläge, was du tun kannst, um es besser zu machen.

Wenn du selbst dya cis bist: Organisiere dir nach Möglichkeit (ja, Finanzen sind ein Ding und ich verurteile beispielsweise Dienstleistungstausch absolut nicht) ein oder mehrere Sensitivity Readings. Oder lasse deinen Verlag sowas organisieren – sofern du nicht selbst veröffentlichst, sollten Verlage in der Pflicht sein, sich darum zu kümmern (siehe hierzu dieser Thread von Nora Benzko, da ist noch Luft nach oben).

Schau dich in Schreibcommunities (beispielsweise Schreibgruppen in Social Networks, Foren etc.) um, ob da Leute geoutet sind und frage sie respektvoll, ob sie dir ein paar Fragen beantworten würden.

Lies dich ein – beispielsweise, indem du dir die verlinkten Texte anschaust.

Ein paar weitere Schreibtipps, die für Neulinge wichtig sein könnten:

  • Nicht-binäre Erfahrungen sind sehr vielfältig und von zahlreichen weiteren Faktoren abhängig (Alter und somit Zugang zu Ressourcen und Möglichkeiten der Information, Neurodivergenzen, Behinderungen, Zugang zu Bildung, Zugang zu Geld, rassistischer Bias in LGBTIAQ+-Spaces, Elternhaus, drölf weitere Faktoren) – das Klischeebild ist aktuell, so Repräsentation stattfindet, weiß, normschlank, androgyn. Brecht das auf!
  • Kleidung und generell Präsentation können Teil des Geschlechtsausdrucks sein oder komplett davon losgelöst von anderen Faktoren abhängen (Nehmen wir als Beispiel mich – bei mir sind sensorische Faktoren in starkem Maße dafür verantwortlich, welche Bekleidung und Selbstdarstellungsoptionen überhaupt in Frage kommen).
  • Wie auch bei binären trans Personen und überhaupt bei allen Marginalisierungen gilt: Wenn ihr nicht own voice seid und damit eigene Probleme verarbeiten wollt (was absolut legitim ist), dann schreibt nicht-binäre Menschen doch nicht ausschließlich als ständig leidende /dysphorische Personen. Ja, einige von uns, da nehme ich mich nicht aus, venten und schimpfen gern bei Twitter über Dinge. Das heißt nicht, dass wir nix anderes tun.
  • (Da gibt es bestimmt wichtige Ergänzungen, die ich hier hinschreiben werde, wenn sie mir einfallen oder zugetragen werden)

Am Ende kommt hoffentlich ein gutes Buch dabei raus. Oder mehrere. Denn ganz ehrlich – natürlich können wir uns einfach die Repräsentation selbst schreiben, die wir selbst lesen wollen. Aber so viel können wir doch gar nicht selbst schreiben, wie wir gerne lesen würden. Da müssen die Allies schon auch ein bisserl helfen. Und ich hoffe, mein Leitfaden trägt dazu bei.

Um auf den Anfang zurück zu kommen: Ich will eine Welt, in der nicht-binäre Menschen ganz selbstverständlich einen Platz haben. Geschichten, in denen das bereits der Fall ist, können enorm dazu beitragen, dass die Welt da draußen zu dieser Welt werden kann.