Erytan

Erytan ist eine Erbmonarchie, an deren Spitze die „Herrin der Sonnenfalken von Erytan“ steht. Die aktuelle Herrin ist Velreni. Ihre Vorgängerin war ihre Mutter Stasiana, die starb, als Velreni dreißig Jahre alt war. Velrenis ernannte Nachfolgerin ist derzeit ihre älteste Tochter Melenia, sie hat außerdem weitere Kinder: einen Sohn namens Kiron und eine jüngere Tochter namens Aleksis.

Einen Herrscher oder Herren hat es in der Geschichte des Staates nicht gegeben.

Sklaverei ist in diesem Staat allgegenwärtig, rund 60% der Bevölkerung ist in irgendeiner Weise Eigentum anderer Menschen. Der Rest setzt sich aus einer Gruppe Agrarmenschen zusammen (Landwirtschaft, Fischfang, Forstwirtschaft, Viehzucht). Einige Freie unterhalten Läden in den Städten, namentlich in der Hauptstadt Sorlys, in der sich die Bevölkerung am stärksten ballt. Etwa 5% der Bevölkerung gehört der Oberschicht an (Adel und Militär).

Alle Adelshäuser haben in der Hauptstadt einen „Hauptsitz“ der Familie – dies ist notwendig, weil Lehen in der Regel nicht auf Lebenszeit vergeben werden, sodass Adelige nach dem Ende ihrer Lehenszeit einen Ort haben, an dem sie ihren Ruhestand verbringen können. Belehnte haben kaum die Möglichkeit, ein nennenswertes Privatvermögen aufzubauen. In der Regel sind es andere Zweige der Familie, die sie dann im Alter mitversorgen. Diese Hauptsitze gehören dann auch tatsächlich den Familien, die sie bewohnen.

Einige Familien haben so viele Nebenzweige, dass sie mehrere Häuser besitzen. Dazu gehört auch Familie Larsintri – jene Familie, aus der die Herrinnen stammen. Einige wenige Familien besitzen aus historischen gründen Privatgrund in anderen Teilen des Landes – die Verri haben ein Strandhaus an der östlichen Grenze von Erytan.

Ein gut schiffbarer Fluss führt direkt zur Hauptstadt, die am Meer liegt. Es ist heiß und sonnig. Während die Stadt selbst in einer Ebene am Meer liegt, sind Teile Erytans von hohen Bergen umgeben. Es gibt klare Bergseen, genauso wie heiße Quellen und Wälder voller Wild. Gelegentlich trifft man eine der wilden Großkatzen in den Wäldern an. Die Tiere sind schnell, wendig und können für Menschen gefährlich werden.

Das Klima ist überwiegend mediterran, mit trockenen heißen Sommern und – besonders in der Hauptstadt – milden Küstenwintern. In den Bergen fällt gelegentlich auch Schnee. An der Grenze zu Syrlain kann es durchaus auch zu Lawinen kommen.

Neben Fischen und feinen landwirtschaftlichen Produkten exportiert das Land Metalle, die in den Bergen gewonnen werden. Es gibt auch einen Markt für magische Artefakte, dieser wird jedoch von der Königin persönlich überwacht, damit nichts das Land verlässt, das besser unter Verschluss geblieben wäre.

Die Herrschaft ist darauf ausgerichtet, die Bevölkerung glücklich zu machen und gesetzesfürchtig zu erhalten. Die Kriminalität ist niedrig, die Strafen für Verbrechen in vielen Fällen darauf ausgerichtet, die Person selbst sühnen zu lassen. Nur bei uneinsichtigen Personen ohne Besserungswillen werden Freiheitsstrafen verhängt. Ausnahmen bilden Verbrechen gegen die Herrin und ihre Kinder.

Die höchste Münze ist der goldene Falke. 50 Silbermöwen entsprechen einem Falken. 25 Bronzespatzen entsprechen einer Silbermöwe.

Der erytanische Kalender umfasst 370 Tage in 12 Monaten. Dabei hat der fünfte und der neunte Monat nur 30 Tage, die anderen Monate sind 31 Tage lang. Das neue Jahr beginnt zur Wintersonnenwende.

Familien

Es gibt zwei Familienformen in Erytan, die gleichberechtigt nebeneinander existieren – zum einen das bekannte Familienmodell aus zwei Personen in einer festen Partnerschaft und eventuell daraus resultierenden Kindern, zum anderen das vor allem im Hochadel praktizierte Einfamiliensystem. Dabei besteht die Familie nur aus einer Frau und ihren leiblichen Kindern, es gibt keine offiziellen Väter. Dies dient vor allem dazu, Verstrickungen in Hinblick auf Erb- und Thronfolgen zu vermeiden.

Innerhalb des Adels sind heterosexuelle Ehen untersagt, es dürfen generell keine Ehen geschlossen werden, bei denen Kinder entstehen können. Heterosexuelle Partnerschaften sind unter der Auflage im Adel erlaubt, dass dabei keine Kinder gezeugt werden dürfen. Geschieht dies doch, haben diese Kinder teils geminderte Privilegien.

Will eine Einfrau ein Kind empfangen, zieht sie sich bis zur Empfängnis auf eine nur dem Hochadel bekannte Insel zurück und benennt Männer, die sich ihr nähern dürfen, bis sie empfangen hat.

Während die meisten Familien, die Partnerschaften praktizieren, ihre Kinder selbst erziehen, schickt der Hochadel aus Sicherheitsgründen die Kinder größte Teile des Jahres weg, um sie an einem geheimen Ort erziehen zu lassen. Eine Maßnahme, die sich vor allem nach mehrmaligen Versuchen, sämtliche Kinder einer Herrin zeitgleich auszulöschen, wiederholt als notwendig erwiesen hat.

Sklaverei

Wie bereits erwähnt, ist ein Großteil der Bevölkerung in Abhängigkeit. Die Gesetzgebung ist streng – und wird oft von Herrin zu Herrin verstärkt. Es soll sichergestellt werden, dass Abhängigkeitsverhältnisse nicht ausgenutzt werden. Die Kinder einer Sklavin sind, auch wenn sie von einem Freien gezeugt werden, immer ebenfalls Eigentum der Person, der die Mutter gehört. Ist die Mutter eine Freie, ist auch das Kind frei.

Ironischerweise findet ein Sklavenhandel im klassischen Sinne kaum statt, die meisten Versklavten sind einheimisch und stammen aus Erytan, wurden also in ihrem jeweiligen Status erzogen. Gelegentlich kommen Kriegsgefangene hinzu.

Kinder erhalten nach dem dritten Lebensjahr eine Tätowierung auf der linken Halsseite, es handelt sich um das Zeichen der jeweiligen Besitzer*innen. Wer der Herrin von Erytan gehört, erhält als Zeichen eine Sonne mit Falkenflügel. Andere haben andere Zeichen. Das Mindestalter für eine Markierung bei vollem Bewusstsein liegt bei fünfzehn Jahren. Die Strafen für eine Zuwiderhandlung sind drakonisch. Die Markierung muss gelegentlich nachgezogen und korrigiert werden, gerade bei Menschen, die sie als Kind erhalten haben.

Oftmals sind die Entfaltungsmöglichkeiten und Perspektiven für Versklavte besser, als für Freigeborene. Sie erhalten, je nach Status und Mitteln ihrer Besitzenden, oftmals eine bessere Bildung als so manches freie Wesen auf dem Lande. Somit ist es oft attraktiver, sich im jungen oder reiferen Alter freizukaufen, als frei geboren zu werden. Verarmte Eltern geben ihre Kinder oft in die Sklaverei, um ihnen ein besseres Leben und mehr Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Die Sache mit der Sexualität

Es gibt keine Einschränkungen, wer mit wem darf oder nicht darf, zumindest in Hinblick auf die Geschlechter. 

Die größten Unterschiede ergeben sich aus dem sozialen Status der jeweiligen Personen. Die herrschende Familie zeugt ausschließlich mit reinblütigen Sonnenfalkenwesen Nachkommen – hat jedoch die volle Freiheit, mit wem sich gepaart werden soll. Die einzige Einschränkung bildet hierbei der Wille der jeweils anderen Person. Da Sklav*innen als Schutzbefohlene gelten, ist es verboten, sich gegen deren Willen an ihnen zu vergreifen.

Die Reinblütigkeit hat hier keinen rassistischen, sondern einen praktischen Hintergrund – wem nicht die volle Macht eines Sonnenfalkenwesens zur Verfügung steht, wird die für ein Lehen oder für eine Herrschaft notwendigen Strapazen schlicht nicht überleben. Eine Erkenntnis, die durch mehrere Todesfälle erkauft wurde, als sich Wesen übernommen haben und verglühten. Weiß also ein Wesen nicht, dass es nicht ausschließlich Sonnenfalkenwesen ist und unternimmt beispielsweise eine längere vollständige Verwandlung, kann es verglühen.

Was muss eine Königin können?

Sie hat mehrere Sprachen zu sprechen (u.a. Syrlain, Meronisch), ein Grundverständnis von Mechanik zu erwerben und Kenntnisse in den Grundzügen der arkanen Künste zu haben. Wie sonst sollte sie die Hofmagier*innen beaufsichtigen können? Sie lernt schon als Kind die Gesetze und gesellschaftlichen Regeln von Erytan.

Und sie lernt von Anfang an, dass ihr Status bedeutet, dass andere sich ihr zu unterwerfen haben. Und sie lernt, wie sie diese Unterwerfung zu inszenieren hat.

Klare Aussagen.

Eindeutige Befehle.

Kein Raum für Missverständnisse.

Was allerdings nichts an der Gleichbehandlung der Kinder und Jugendlichen auf den Schulinseln ändert – jede Prinzessin hat genauso die Tiere im Streichelzoo mitzuversorgen, als Jugendliche als Modell für Übungen herzuhalten und ihre Hausaufgaben zu machen, wie alle anderen Kinder auch.

Bildung für den Hochadel

Sobald die Adelskinder drei Jahre alt sind, gelten sie als alt genug, um von ihren Eltern getrennt zu werden und nahezu das ganze Jahr über auf der Insel der Kinder zu leben. Alle Kinder, egal ob es sich um die Erbprinzessin oder einen Jungen aus einem der minderen Lehen handelt, werden gleich behandelt und erhalten den gleichen Unterricht. Die ersten Jahre besuchen sie eine Art Vorschule, spielen, singen und bekommen viel vorgelesen.

Sobald sie fünf Jahre alt sind, lernen sie das Lesen und beginnen mit dem Schreiben, in der Regel fangen sie im Alter von sechs Jahren an, regelmäßig einen geregelten Unterricht zu besuchen. Da es sich um ein Internatsystem mit Ganztagsbetreuung und ohne Geschlechtertrennung handelt, ist es recht flexibel.

Das Internatsystem dient nicht zuletzt auch dazu, von Anfang an Kontakte zu knüpfen – so dauert selbst mit der schnellsten Reisemöglichkeit, per Luftschiff, der Weg zwischen der Kinderinsel und dem äußersten Zipfel Erytans rund eine Woche. Es sorgt also dafür, dass alle Kinder miteinander aufwachsen. Auch die, die sonst so abgelegen leben würden, dass sie ihr Lebtag kein anderes Kind ihrer sozialen Schicht treffen würden.

Mit zwölf wechseln die Heranwachsenden die Inseln und besuchen nun die Insel der Heranwachsenden.

Sie erhalten dort Unterricht. Nicht nur darin, ihre Kräfte zu schulen. Und nicht nur in den Dingen, die sie benötigen, um gute Adelige zu sein. Nachdem sie als Kinder spielerisch gewisse Aspekte von Gehorsam, klarer Kommunikation und Strafen lernten, werden diese nun vertieft.

Die Jugendlichen dürfen sich ausprobieren. In vielerlei Hinsicht. Von Anfang an lernen sie dabei, wie sie klar ihre Grenzen vermitteln und ein Gegenüber, das diese aus irgendeinem Grund überschreitet, daran effektiv hindern können. Dort ist das Korsett der Schuljahre ein wenig strenger als auf der Kinderinsel, in der Regel bleiben sie sechs Jahre dort und haben nach sechs Schuljahren eine Abschlussprüfung, deren Ergebnisse sich maßgeblich auf das Leben der jungen Adeligen auswirken.

Artikel zu zusätzlichen Aspekten:

Tiere und Pflanzen